Schlüsselfaktoren für Anlageentscheidungen
Es gibt kaum etwas, das die langfristige Wertentwicklung einer Kapitalanlage so nachhaltig beeinflusst wie Deflation und Inflation.
Prinzipiell gibt es nahezu keine Assetklasse, die sowohl in einem inflationären als auch in einem deflationären Umfeld profitiert. Während Bargeld und Sparbücher in der Deflation – also bei sinkenden Preisniveaus – Trumpf sind, verlieren sie in der Inflation mit jedem Tag tendenziell an Wert. Festverzinsliche Wertpapiere, vor allem Staatsanleihen mit ihren relativ geringen, dafür aber sehr sicheren Zinskupons, sind ebenfalls eindeutige Gewinner in einer Deflation. Ebenso Unternehmensanleihen, vorausgesetzt, es handelt sich um sehr bonitätsstarke, robuste Unternehmen, die eine deflationäre Periode überstehen können. In einer Deflation zählen also möglichst sichere und stabile Anleihen zu den Topinvestments.
Bei steigender Inflation hingegen werden diese festen Zinszahlungen sehr rasch von der allgemeinen Teuerung „aufgefressen“ – und es verbleibt eine geringe oder gar negative reale Rendite (reale Rendite = nominale Rendite abzüglich Inflationsrate). Eine gewisse Abhilfe schaffen diesbezüglich allerdings inflationsindexierte Staatsanleihen.
Aktien und Sachwerte bieten einen gewissen Schutz vor Inflation
Nahezu umgekehrt verhalten sich Aktien und fast alle „Sachwerte“ (Immobilien, Rohstoffe). Deflation drückt massiv auf die Unternehmensgewinne. Sowohl Rohstoffe als auch produzierte Güter und Maschinen sinken im Wert und Umsatzerlöse fallen tendenziell, während aufgenommene Kreditsummen voll zu begleichen sind. Kurzum: Deflation ist Gift für Aktien- und Rohstoffkurse. Dies ist – neben Zwangsliquidationen bei Fonds und Hedgefonds – einer der Hauptgründe, weshalb die Aktien- und Rohstoffmärkte im vierten Quartal 2008 kollabierten, als Deflationsszenarien à la Japan die Runde machten.
In inflationären Perioden hingegen können Aktien durchaus einen guten Schutz bieten, da die Fabriken und Maschinen ihren Wert im Gegensatz zum Bargeld weitgehend behalten und die Unternehmen durch entsprechende Preiserhöhungen oftmals die Gewinne zumindest ähnlich stark steigern können, wie das Papiergeld an Wert verliert. Wichtig ist dabei aber, dass die Nachfrage nach den hergestellten Gütern möglichst robust ist – beispielsweise bei unverzichtbaren Gütern wie Lebensmitteln, Haushaltsartikeln, Energie – und die Unternehmen durch ihre Marktposition einen entsprechenden Preisüberwälzungsspielraum haben. Globale Marktführer in eher „langweiligen“, wenig dynamischen Industrien sind diesbezüglich eine sehr gute Wahl. Immobilien, vor allem selbst genutzte Wohnimmobilien, bieten in der Regel ebenfalls einen recht passablen Schutz vor Inflation.
Gold bietet langfristig keinen Inflationsschutz
Eine Sonderstellung nimmt das Gold ein. Es ist allerdings in erster Linie eine Währung, deren Besitz keine Zinserträge bringt und deren sichere Verwahrung eher Geld kostet. Daher ist es in der Deflation – oder genauer gesagt: in Perioden mit hohen Realzinsen – tendenziell unter Druck. Entgegen vielen Mythen und dem weit verbreiteten Glauben ist Gold aber keineswegs ein Inflationsgewinner! Über längere Zeiträume betrachtet, ist der Goldpreis in den letzten 100 Jahren sehr deutlich hinter der Inflationsrate zurückgeblieben.
Die Stärke des Goldes liegt vielmehr in seiner Eigenschaft, dass es überall auf der Welt als Währung anerkannt ist und nicht beliebig von Notenbanken oder Regierungen vermehrt werden kann. Es stellt damit eine der wenigen echten Versicherungen gegen Hyperinflation und Währungszusammenbrüche dar. Daher sollte es nicht als „Geldanlage“, sondern eher als eine Notfallversicherung behandelt und nur dementsprechend im gesamten Portefeuille gewichtet werden!