Zum Inhalt springen

Kapitalmarktkommentar von Karin Kunrath, Chief Investment Officer der Raiffeisen KAG

Das ist zwar ein ernüchternder Befund, entspricht jedoch den Realitäten. Trotz des geopolitischen Konflikts am Persischen Golf und um die Seestraße von Hormus hat das Jahr 2026 die ursprünglichen Ertragserwartungen bei risikoreicheren Anlageklassen bislang klar übertroffen. Zahlreiche Aktienmarktstrategen haben ihre Jahresendziele für den S&P 500 Index mehrfach nach oben angepasst. Und obwohl sich die fundamentalen Rahmenbedingungen infolge des Ölpreisanstiegs und der anziehenden Inflation etwas eingetrübt haben, wird aufgrund des KI-Investitionszyklus, des stabilen Arbeitsmarktes und des bislang ungebrochenen Privatkonsums ein globales Wirtschaftswachstum von rund drei Prozent prognostiziert und die Rezessionswahrscheinlichkeit als gering angesehen.

Allerdings divergieren die Weltregionen deutlich. So ist die Euro-Zone einmal mehr am stärksten betroffen, angesichts der hohen Abhängigkeit von Energieimporten. Darüber hinaus sah sich die EZB infolge der Inflationsgefahren zum Handeln gezwungen und hat die Leitzinsen angehoben. In Asien sind China und Japan auch aufgrund der enormen strategischen Ölreserven weitgehend unbeschadet durch die neuerliche Energiekrise gekommen. Bei den globalen Makrodaten haben sich die Frühindikatoren nur zwischenzeitig abgeschwächt und sind relativ schnell in den expansiven Bereich zurückgekehrt. Auch die Analystenschätzungen für die Unternehmensgewinne halten sich bislang auf hohem Niveau, was derzeit maßgeblich auf die Dynamik bei den Halbleiterherstellern zurückzuführen ist, die besonders stark vom AI-Boom profitieren.

Die Stimmung am Kapitalmarkt ist, abgesehen von kurzen Unterbrechungen, durchgehend positiv und weitgehend unbeeindruckt von den geopolitischen Verwerfungen, was sich zuletzt auch an der Euphorie rund um SpaceX, dem größten Börsengang der Geschichte, gezeigt hat. Da die Zukunft des „US-Deals“ mit dem Iran unklar ist und globale Lieferketten weiterhin Herausforderungen gegenüberstehen, bleibt die wirtschaftliche Erholung in der Euro-Zone unsicher. Rückläufige Preisindikatoren könnten dennoch dazu beitragen, den Druck auf die Notenbanken zu mindern. Wir bleiben nach wie vor etwas stärker in Aktien (in Relation zu Anleihen) positioniert.

Asset-Klassen im Überblick

Dieser Inhalt ist nur für institutionelle Anlegerinnen und Anleger vorgesehen.

Zu unseren Themen