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CIO-Kommentar

Die Rahmenbedingungen deuten auf ein grundsätzlich konstruktives Umfeld hin: solides globales Wachstum, rückläufige Inflation und eine geldpolitische Lockerung – zumindest in den USA – können Risikoanlagen stützen. Gleichzeitig nehmen politische Unsicherheiten, Bewertungsfragen und regionale Divergenzen zu.

Karin Kunrath, Chief Investment Officer, Raiffeisen Capital Management
CIO Karin Kunrath, Raiffeisen Capital Management

Vor diesem Hintergrund gewinnen thematische Allokationen, regionale Differenzierung und eine bewusste Diversifikation nochmals an Bedeutung. Künstliche Intelligenz, Emerging Markets, Infrastrukturinvestitionen und ein mögliches europäisches Comeback bilden dabei zentrale Säulen der Kapitalmarktstrategie 2026.

6 Investmenttrends für 2026: Künstliche Intelligenz, Emerging Markets, CEE, Infrastruktur, Europa, Diversikation

Trend 1: Künstliche Intelligenz

Vom Hype zur Monetarisierung

Künstliche Intelligenz bleibt auch 2026 der dominierende strukturelle Investmenttrend. Der Fokus verschiebt sich jedoch zunehmend von der reinen Erwartung hin zur tatsächlichen Monetarisierung.

Die „Magnificent 7“ stehen weiterhin im Zentrum dieses Ökosystems – nicht nur als Entwickler, sondern vor allem als Betreiber der globalen KI-Infrastruktur. Der Investitionszyklus der großen Hyperscaler erreicht neue Dimensionen. Hohe zweistellige Milliardenbeträge fließen in Rechenzentren, Chips, Netzwerke und Energieversorgung. Diese Investitionen sind kein Selbstzweck, sondern Ausdruck einer strategischen Positionierung: KI wird zur zentralen Plattform für Produktivitätsgewinne, neue Geschäftsmodelle und Skaleneffekte.

Investmenttrend 2026: Künstliche Intelligenz

Entscheidend für die Kapitalmärkte ist dabei die zunehmende Durchdringung der Realwirtschaft. KI-Anwendungen steigern Effizienz, senken Kosten und eröffnen neue Umsatzquellen – nicht nur im Technologiesektor, sondern in Industrie, Gesundheit, Finanzdienstleistungen und Infrastruktur. Damit rückt der Zusammenhang zwischen KI-Investitionen, Wirtschaftswachstum und Gewinnentwicklung stärker in den Vordergrund.

Die hohen Bewertungen einzelner Titel bleiben ein Diskussionspunkt. Anders als in früheren Technologiezyklen stehen diesen Bewertungen jedoch substanzielle Cashflows, hohe Margen und reale Investitionsprogramme gegenüber. Kurzfristige Volatilität bleibt möglich, strukturell ist KI aber weniger ein zyklisches Thema als vielmehr eine neue technologische Basis des globalen Wachstums.

Trend 2: Emerging Markets (Schwellenländer)

Strukturelle Stärke nach starkem Vorjahr

Nach der außergewöhnlich starken Performance 2025 ist für Emerging Markets 2026 mit einer normalisierten, aber weiterhin positiven Entwicklung zu rechnen.

Die Schwellenländer tragen inzwischen rund zwei Drittel zum globalen Wirtschaftswachstum bei und wachsen deutlich schneller als die entwickelten Volkswirtschaften.

Asien bleibt laut aktueller Einschätzung der zentrale Wachstumstreiber. Korea und Taiwan können vermutlich weiterhin vom globalen Halbleiter- und KI-Infrastrukturboom profitieren, während China trotz geopolitischer Spannungen und struktureller Herausforderungen an Attraktivität gewinnt – insbesondere im Technologiesektor und bei KI-nahen Geschäftsmodellen. Indien bleibt langfristig eines der spannendsten Investmentziele, auch wenn kurzfristig hohe Bewertungen selektives Vorgehen erfordern.

Lateinamerika und Teile Osteuropas ergänzen das Bild durch aktuell attraktive Bewertungen, hohe Realzinsen und strukturelle Reformfortschritte. Auf der Anleiheseite bleiben sowohl Hart- als auch Lokalwährungsanleihen interessant, wobei ein schwächerer US-Dollar zusätzlichen Rückenwind liefern könnte. Entscheidend für 2026 ist weniger eine breite Rallye als vielmehr aktive Allokation, regionale Differenzierung und eine gezielte Auswahl von Ländern und Sektoren.

Trend 3: CEE

Konvergenzwachstum im europäischen Kontext

Zentral- und Osteuropa nimmt 2026 eine besondere Rolle ein. Die Region wächst derzeit strukturell schneller als die Eurozone und profitiert von EU-Mitteln, Nearshoring-Tendenzen und einer engen industriellen Verzahnung mit Westeuropa.

Während fiskalische und politische Risiken in einzelnen Ländern bestehen bleiben, zeigt sich insgesamt ein robustes Bild: steigende Realeinkommen, Investitionen in Infrastruktur und eine zunehmende Integration in europäische Wertschöpfungsketten. Für Investoren bietet CEE damit eine Mischung aus Emerging-Market-Dynamik und europäischer Stabilität.

Trend 4: Infrastruktur

Das Rückgrat der Kapitalmärkte 2026

Infrastruktur entwickelt sich 2026 vom defensiven Beimischungsthema zu einer zentralen Wachstumsstory.

Der globale Investitionsbedarf ist enorm – getrieben von Energiewende, Digitalisierung, Urbanisierung und Resilienz der Lieferketten.

Besonders hervorzuheben sind die umfangreichen Investitionsprogramme in Deutschland. Öffentliche Mittel fließen verstärkt in Verkehr, Energie, Netze, Digitalisierung und Wohnbau. Diese Programme wirken nicht nur konjunkturstabilisierend, sondern setzen einen längerfristigen Investitionszyklus in Gang, der weit über 2026 hinausreicht.

Investmenttrend: Investieren in Infrastruktur - Bahnnetz in Deutschland

Damit wird Infrastruktur zum strategischen Bindeglied zwischen mehreren Megatrends:

  • Energie- und Klimatransformation

  • Digitalisierung und KI-Infrastruktur

  • Industrielle Wettbewerbsfähigkeit Europas

Für Europa insgesamt entsteht daraus eine neue Wachstumsstory. Nach Jahren struktureller Unterperformance könnten Infrastrukturinvestitionen, fiskalische Impulse und eine allmähliche wirtschaftliche Erholung Europa zum Rebound-Kandidaten machen – insbesondere relativ zu den hoch bewerteten US-Märkten.

Trend 5: Europa

Vom Sorgenkind zum Comeback-Kandidaten?

Europa startet 2026 aus einer Position niedriger Erwartungen. Das kann Gelegenheiten bieten. Moderate Bewertungen, fiskalische Impulse – allen voran aus Deutschland – sowie eine Stabilisierung der Konjunktur schaffen ein asymmetrisches Chancen-Risiko-Profil.

Zudem profitieren europäische Unternehmen indirekt von globalen Trends wie KI und Infrastruktur, auch wenn sie nicht im Zentrum der Aufmerksamkeit stehen. Eine breitere Marktteilnahme und eine Rotation hin zu Substanz, Small und Mid Caps erscheinen im weiteren Jahresverlauf plausibel.

Trend 6: Diversifikation

Schlüsselstrategie nach einem starken Jahr 2025

Nach der breiten und starken Performance nahezu aller Anlageklassen im Jahr 2025 steigt 2026 die Bedeutung von Diversifikation deutlich. Die US-Midterm-Elections, geopolitische Spannungen und hohe Marktkonzentration erhöhen das Volatilitätspotenzial. In einem Umfeld, in dem viele Märkte bereits ambitionierte Bewertungen aufweisen, wird es schwieriger, Erträge allein aus einer Assetklasse zu erzielen. Regionale Streuung, thematische Diversifikation und der gezielte Einsatz verschiedener Assetklassen unter Berücksichtigung von Währungsrisiken (US-Dollar, Japanischer Yen u.a.) rücken wieder stärker in den Fokus.

Fazit

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass 2026 kein Jahr für einfache Marktthesen ist, sondern für differenzierte Kapitalmarktstrategien. Künstliche Intelligenz, Infrastruktur und Emerging Markets bleiben strukturelle Wachstumstreiber. Europa und CEE bieten Aufholpotenzial, während Diversifikation zur zentralen Voraussetzung für stabile Portfoliorenditen wird.

Auch strukturelle Wachstumstrends unterliegen Zyklen und Rücksetzern, deswegen braucht es bei der Veranlagung immer eine langfristige Perspektive. Die Veranlagungsstruktur wird wesentlich von der Risiko-/Ertragserwartung des Anlegers/der Anlegerin definiert, jedoch bietet Fondssparen eine sinnvolle Möglichkeit, schrittweise zu investieren und so risikoärmer kontinuierlich Kapital aufzubauen und so die Möglichkeiten langfristiger Markttrends zu nutzen.

Dieser Inhalt ist nur für institutionelle Anlegerinnen und Anleger vorgesehen.

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